Aachen gründet Initiative und setzt Zeichen gegen Antisemitismus
von Martina Stöhr
Mehrere Aachener Gruppen schließen sich gegen wachsende Judenfeindlichkeit zusammen. Eine Gedenkfeier in der Citykirche soll an die Opfer des Hamas-Angriffs erinnern.
„Der Antisemitismus ist längst wieder salonfähig und in der Mitte der Gesellschaft angekommen.“ Das sagt eine Initiative, die sich jetzt gegründet hat, um dem wachsenden Antisemitismus Einhalt zu bieten. Mit im Boot: die Deutsch-Israelische Gesellschaft Aachen (DIG), das Gedenkbuchprojekt für die Opfer der Shoah aus Aachen, die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit und Omas gegen Rechts.
„Es dürfen aber gerne noch mehr Mitglieder werden“, sagen die Beteiligten. Sie stellen einen wachsenden Antisemitismus auch in Aachen fest, erzählen von Vorfällen, bei denen jüdische Mitbürger ganz persönlich angegangen wurden. „Die Angst und das Unbehagen wachsen“, sagt Elisabeth Paul, Vorsitzende der Deutsch-Israelischen Gesellschaft Aachen. „Und das darf nicht sein“, sind sich alle einig. „Die AfD hat wesentlich dazu beigetragen, dass sich die Grenzen dessen, was gesagt werden darf, deutlich verschoben haben“, meint Ruprecht van de Weyer, Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit. Der Ton werde demnach rauer und die Begegnungen heftiger.
„Wir halten uns ganz bewusst aus der Politik raus“, sagt Maria Kehren, Omas gegen Rechts. „Es geht uns um die Menschen“, betont sie weiter. Der Nahostkonflikt und die damit verbundenen Standpunkte finden hier demnach nur am Rande statt. „Wir wollen nicht über Siedlungspolitik diskutieren, sondern mit den Menschen sprechen“, ergänzt sie. Und das, was da inzwischen stattfinde, sei laut Ruprecht van de Weyer längst nicht mehr mit einem christlichen Menschenbild vereinbar. „Es ist genug“, sagt er.
Am Mittwoch, 7. Oktober, um 19.30 Uhr lädt die frisch gegründete „Initiative gegen den Antisemitismus“ zu einer Gedenkveranstaltung in die Citykirche ein. Sylvia Löhrmann, Beauftragte des Landes NRW für die Bekämpfung des Antisemitismus, wird die Gedenkrede halten, der Rabbiner Bryan Weisz spricht ein Gebet und der Pianist Luis Castellano ist für die Musik verantwortlich.
Quelle: Aachener Zeitung, 30.9.2026

