Gedenkbank erinnert an Felix Meyer

von Arnd Gottschalk

Auf dem Gelände des FH-Campus Eupener Straße befand sich früher das Gut Bodenhof. Die neue Bank erinnert an den früheren Besitzer Felix Meyer, der während des Zweiten Weltkriegs zahlreichen Jüdinnen und Juden das Leben rettete.

Bild der Gedenkbank am Campus Eupener Straße
Gedenkbank am Campus Eupener Straße
FH Aachen | Arnd Gottschalk

“Zur Erinnerung an Felix Meyer 1875-1950” steht auf der Bank. Sie lädt ein zum Verweilen, inmitten alter Bäume, auf dem Gelände des ehemaligen Gutes Bodenhof – dort, wo auch der Campus Eupener Straße der FH Aachen seine Heimat hat.

“Er liebte seine Stadt”

Isabelle Walker und Helena Coxhead sind eigens nach Aachen gekommen, um die neue Bank ihrer Bestimmung zu übergeben. Die beiden sind Urenkelinnen von Felix Meyer; sie haben die Bank gestiftet, um die Erinnerung an ihren Urgroßvater wachzuhalten. “Er liebte seine Stadt”, sagt Isabelle Walker, die heute in der Schweiz wohnt. Die Stifterinnen dankten dem Verein “Gedenkbuchprojekt für die Opfer der Shoah aus Aachen e.V.”, die mit ihrer Arbeit einen wesentlichen Beitrag zur Erforschung der Familiengeschichte geleistet haben. Gemeinsam mit vielen Akteur:innen aus der Zivilgesellschaft machte der Verein es möglich, die Bank auf dem Parkgelände aufzustellen.

Geschichte reicht bis ins 15. Jahrhundert zurück

Felix Meyer (1875-1950) entstammte einer jüdischen Aachener Tuchfabrikantenfamilie. Er wurde als Ingenieur und Erfinder bekannt, er begründete unter anderem die Rota-Werke und stellte medizintechnische Produkte her. Im Jahr 1939 flüchtete er vor dem nationalsozialistischen Terror, im Brüsseler Exil rettete er zahlreichen Jüdinnen und Juden das Leben.

Die Geschichte des Bodenhofs geht vermutlich bis ins 15. Jahrhundert zurück. Mitte des 17. Jahrhunderts wurde die alte Wasserburg durch einen Neubau ersetzt, dessen Reste heute noch auf dem Gelände erhalten sind. Sie stehen unter Denkmalschutz. 1922 hatte die Familie Meyer das Gut erworben, im Zweiten Weltkrieg wurden die Bauten durch ein Feuer weitgehend zerstört. In den 1950er-Jahren errichtete der Philips-Konzern dort sein Forschungszentrum, seit 1993 haben die Fachbereiche Wirtschaftswissenschaften sowie Elektrotechnik und Informationstechnik der FH Aachen dort ihre Heimat.

Bild der Gedenkbank am Campus Eupener Straße
Gedenkbank am Campus Eupener Straße
FH Aachen | Arnd Gottschalk
 
Bild der Tor des ehemaligen Gutes Bodenhof
Tor des ehemaligen Gutes Bodenhof
FH Aachen | Arnd Gottschalk

Erforschung und Dokumentation jüdischen Lebens

Jüdisches Leben prägt Aachen seit Jahrhunderten. Ein bauliches Zeugnis ist auch der jüdische Friedhof an der Lütticher Straße; der Fachbereich Architektur der FH Aachen arbeitet seit Jahren intensiv an der Erforschung und Dokumentation zu dessen Bauten und Grabmälern – und damit auch an der Geschichte der jüdischen Bürger:innen in Aachen. Neben seiner Bedeutung als Ort der Trauer von Hinterbliebenen besitzt der Friedhof eine einzigartige Aussagekraft durch seine authentischen Zeugnisse – seine Grabmäler, ihre dazugehörigen Biografien, Inschriften, zeittypischen Gestaltungsweisen und Traditionen. Über zwei Jahrhunderte bilden sie anschaulich das soziale, wirtschaftliche und kulturelle jüdische Leben der Stadt Aachen ab. Die Ergebnisse dieser Forschungsarbeit wurden im Sommer dieses Jahres im Rahmen der Ausstellung “Bet Olam”, Haus der Ewigkeit, präsentiert (LINK einfügen). “Ich finde es wichtig, darauf hinzuweisen, dass es auf dem jüdischen Friedhof noch die authentischen baulichen Zeugnisse gibt, die die Geschichte jüdischen Lebens in Aachen vermitteln können”, sagt Prof. Dr. Anke Fissabre, “wir müssen dafür sorgen muss, dass diese Zeugnisse gesichert werden und erhalten bleiben.”

Breite Unterstützung

Getragen und unterstützt wurde der Aufbau der Bank vom Verein “Gedenkbuchprojekt für die Opfer der Shoah aus Aachen e.V.”, der Südpark Aachen Immobilien GmbH & Co und der Volkshochschule Aachen. "Ich möchte euch gratulieren", sagte Isabelle Walker, "ihr könnt stolz auf euch sein. Vielen lieben herzlichen Dank!"

Bild von Isabelle Walker und Helena Coxhead, Stifterinnen der Gedenkbank
Isabelle Walker und Helena Coxhead, Stifterinnen der Gedenkbank
FH Aachen | Arnd Gottschalk

Die Aufgabe des Gedenkbuchprojektes für die Opfer der Shoah aus Aachen e.V. ist das Auffinden und Veröffentlichen der Namen ehemaliger Aachener Bürger jüdischen Glaubens, die in der Zeit der zwischen Hitlers Machtergreifung am 30. Januar 1933 und der Befreiung Aachens durch die Amerikaner am 21. Oktober 1944 in Aachen gelebt haben. Im Laufe der Nachforschungen sind bisher historische Dokumente und Bücher ausgewertet worden, die sich mit den Aachener Juden während der NS-Zeit befassen. Ein weiterer Teil der Arbeit besteht in der Kontaktaufnahme mit Zeitzeugen und Überlebenden. In Gesprächen sollen Informationen über das tägliche Leben der Betroffenen, deren Familiengeschichte, persönliche Erinnerungen und Erfahrungen gesammelt werden. Die Ergebnisse der Recherchen werden in einem Gedenkbuch festgehalten, das neben den Namen biographische Kerndaten wie Geburtsdatum und Geburtsort sowie Informationen zum Schicksal während der Verfolgung, zu Emigration oder Deportation enthält. 

Quelle: Newsroom FH Aachen, 20.11.2025